Die Haut schützt unseren Organismus vor Umwelteinflüssen
Sie ist unser grösstes Organ, lässt uns Berührungen sowie Kälte oder Wärme wahrnehmen, warnt uns vor Verbrennungen, kann kribbeln und offenbart durch Erröten Emotionen wie Scham oder Zorn: Die Haut. Die Liste ihrer zahlreichen Funktionen schliesst unter anderem einen Beitrag zu unserer Immunabwehr, die Bildung von Vitamin D, das Speichern von Fett und die Regulation der Körpertemperatur mit ein. Die augenfälligste Eigenschaft der Haut ist ihre Schutzfunktion. Unsere Haut schirmt die darunter liegenden Gewebe gegenüber der Umgebung in zwei Richtungen ab: Sie verhindert einen unkontrollierten Wasserverlust des Organismus und bildet eine schützende Barriere gegenüber Umwelteinflüssen.
Lipide sind wichtig für eine gesunde Haut
Die äusserste Hautschicht besteht zum einen aus Hornzellen und zum anderen aus einer Art Dichtsubstanz, die sich aus verschiedenen Lipiden – dies sind Fette und fettähnliche Moleküle – zusammensetzt. Diese Lipidmatrix verhindert eine Verdunstung von Wasser aus unserem Körper. Zudem leisten diese Lipide einen wesentlichen Beitrag zur chemischen Barrierefunktion der Haut gegenüber Substanzen aus der Umgebung. Die Zusammensetzung der in der Haut selbst gebildeten Lipidmatrix der Oberhaut bleibt nicht immer gleich, sondern kann sich beispielsweise infolge eines höheren Lebensalters, der Ernährung, Einnahme von Medikamenten und der Jahreszeiten verändern. Auch der Hormonhaushalt kann hierbei eine Rolle spielen, da die hormongesteuerten, dermalen Talgdrüsen Bestandteile zur Lipidmatrix beitragen. Eine intakte Lipidmatrix ist hinsichtlich eines weiteren Aspekts von Bedeutung: Sie ist Voraussetzung dafür, dass die Haut einen gewissen Feuchtigkeitsgrad aufweist. Für eine gesunde Haut ist ein Feuchtigkeitsgehalt von 10 bis 20 % erforderlich. Ein zu hoher oder zu niedriger Wassergehalt kann eine Störung der Barrierefunktion nach sich ziehen. Eine in diesem Zusammenhang zu erwähnende Eigenschaft der äusseren Schicht der Haut ist überdies der Gehalt an körpereigenen, natürlichen Feuchthaltefaktoren («Natural Moisturizing Factors»). Diese chemischen Verbindungen – hierzu zählen beispielsweise Milchsäure, Zucker, Aminosäuren und Harnstoff – wirken stark Wasser bindend (hygroskopisch) und sind daher für einen ausreichenden Feuchtigkeitsgehalt der Haut unerlässlich.
Anzeichen von Hauttrockenheit
Die Haut fühlt sich unangenehm gespannt an und juckt, schmerzt oder brennt sogar: Dies sind typische Anzeichen von trockener Haut, medizinisch als Xerodermie oder Xerosis cutis bezeichnet. Sichtbare Symptome sind eine trockene, schuppende, raue und stumpfe Hautoberfläche. Zudem ist die jeweils betroffene Hautregion weniger elastisch, kann Falten bilden, – ähnlich wie bei einer Entzündung – gerötet sein sowie Risse aufweisen. Hauttrockenheit kann grundsätzlich jede Körperregion betreffen. Allerdings tritt sie häufig in Hautarealen auf, die vergleichsweise wenig Talgdrüsen aufweisen: Dies sind beispielsweise die Hände, Füsse, Unterarme und Unterschenkel. Die Hauttrockenheit kann auch das Gesicht betreffen, was zu Spannungsgefühlen und Rötungen führt.
Ursachen und Risikofaktoren
Hauttrockenheit ist die Folge einer beeinträchtigten Barrierefunktion der Haut. Veränderungen der Struktur oder Zusammensetzung der natürlichen Feuchthaltefaktoren (siehe oben) können ausserdem zu einem verringerten Wassergehalt in der Oberhaut beitragen. Die Beeinträchtigung der Hautbarrierefunktion kann mehrere Ursachen haben: So kann die oben beschriebene „Dichtsubstanz“, also die Lipidmatrix gestört sein. Dies kann beispielsweise die Folge von häufigen oder intensiven Hautkontakten mit Reinigungs-, Lösungs- oder Spülmitteln sein, da hierbei Lipide aus der äusseren Hautschicht herausgelöst werden. Erschwerend kommt hinzu, dass solche Mittel der Haut zusätzlich natürliche Feuchthaltefaktoren entziehen können. Eine weitere Ursache für eine gestörte Barrierefunktion ist eine fehlerhafte Entwicklung oder eine mangelnde Vernetzung der Hornzellen in der äusseren Hautschicht. Dies sind Kennzeichen von Hautkrankheiten wie etwa genetisch bedingten Verhornungsstörungen, beispielsweise der sogenannten „Ichthyose“. Die mit höherem Alter häufig einhergehende Hauttrockenheit wird sowohl einer Veränderung der Erneuerung der Hautzellen als auch einem abgewandelten Lipidgehalt in der äusseren Hautschicht zugeschrieben. Zur Hauttrockenheit können demnach mehrere Mechanismen beitragen: Diese können auf biologischen Vorgängen in unserem Organismus basieren (intrinsische Faktoren), genetisch bedingt sein (z.B. bestimmte Erbkrankheiten), wobei die genetische Anlage eine Rolle bei der Anfälligkeit für Xerodermie spielen kann, und/oder durch äussere (extrinsische) Faktoren respektive Umweltfaktoren verursacht sein.
Nachfolgend sind die genannten und weitere, häufige Ursachen und Risikofaktoren für Hauttrockenheit aufgelistet
Wie beispielsweise Neurodermitis (Synonym: atopische Dermatitis), Ichthyose, Psoriasis, chronische Infektionen mit Pilzen (Mykosen) oder Bakterien
Wie beispielsweise Mitarbeit in der klinischen Praxis und der Pflege (regelmässige Hand-Desinfektion), Friseurhandwerk, Raumpflege etc.
Wie beispielsweise Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, chronische Niereninsuffizienz, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Schilddrüsenunterfunktion
Unzureichende Zufuhr bestimmter Vitamine (Vitamin-D und -A, Niacin) sowie Zink- oder Eisenmangel
Schwangerschaft, Menopause, Einnahme oraler Kontrazeptiva („Anti-Baby-Pille“)
Kälte, niedrige Luftfeuchtigkeit, trockene Heizungsluft, intensive Sonnenexposition
Einnahme bestimmter Retinoide, Diuretika, Lipidsenker, Calcium-Antagonisten, Betablockern oder Antirheumatika; des Weiteren aufgrund bestimmter Chemotherapien und onkologischer Bestrahlungstherapie (Radiotherapie)
Höheres Lebensalter
Folgen von Hauttrockenheit
Hauttrockenheit kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken, insbesondere wenn sie mit Juckreiz verbunden ist. Durch Hauttrockenheit begünstigte Abschürfungen oder wund geriebene Stellen können die Anfälligkeit für Hautinfektionen erhöhen. Ohnehin ist die Barrierefunktion von trockener im Vergleich zu gesunder Haut geschwächt, was das Eindringen von Bakterien sowie solcher Substanzen begünstigt, die hautreizend oder allergieauslösend wirken. Aus diesem Grund stellt Hauttrockenheit einen Risikofaktor für die Entwicklung atopischer oder allergischer Ekzeme und anderer Hauterkrankungen dar.
Worauf ist zu achten?
Das regelmässige Auftragen von Pflegeprodukten, die sowohl rückfeuchtend als auch rückfettend wirken, geht nach Einschätzung von Dermatologen über eine reine Hautpflege von trockener Haut hinaus: Vielmehr handelt es sich hierbei um eine Basistherapie zur Wiederherstellung der Hautbarrierefunktion und damit eine Behandlung der Ursache von Hauttrockenheit. Der Aufbau einer gesunden Hautbarriere ist entscheidend, um Feuchtigkeitsverlust zu verhindern und die Symptome der Hauttrockenheit zu lindern.
Ist die Barrierefunktion der Haut bereits gestört, sollten die angewandten Pflegeprodukte frei von potenziellen Allergenen, wie Urea, Duft-/Farbstoffe, Propylenglykol, Lanolin, Wollwachsalkohol, Methylisothiazolinon (Konservierungsstoff) sein, um zusätzlich auftretende allergische Reaktionen zu vermeiden.
Angesichts der Vielzahl an Hautcremes mit verschiedensten Inhaltsstoffen stellt sich die Frage, welche Wirkstoffe tatsächlich bei Hauttrockenheit helfen. Insbesondere Personen mit Neurodermitis sollten bei der Wahl von Pflegeprodukten auf deren Inhaltsstoffe achten. Und dies gegebenenfalls mit deren Arzt, zum Beispiel ihrem Dermatologen oder dem Pädiater des Kindes, besprechen oder sich allenfalls in der Apotheke beraten lassen.
Die meisten Wirkstoffe sorgen dafür eine dünne Schicht aus Lipiden auf der Hautoberfläche zu bilden, wie zum Beispiel Vaseline und Paraffinöl. Dieser Lipidfilm begrenzt den Feuchtigkeitsverlust der Hornschicht und ermöglicht den dortigen Verbleib wasserlöslicher, sowie Wasser-bindender (hygroskopischer) Substanzen. Andere Wirkstoffe sorgen für einen verbesserten Feuchtigkeitsgehalt in den oberflächlichen Hautschichten, da sie in die Haut eindringen und Wasser-bindend (hygroskopische) wirken – sie übernehmen also die Rolle eines natürlichen Feuchthaltefaktors.
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