Pilzinfektionen im Überblick
Ein geröteter und juckender Hautfleck, der eventuell eine nässende, rissige oder sich schuppende Oberfläche aufweist: Dies sind typische Symptome einer Pilzinfektion. Bevorzugt entsteht eine derartige Hauterkrankung zwischen den Zehen, in der Leistengegend oder an anderen Stellen, wo Haut auf Haut trifft – wie etwa in den Achselhöhlen oder am unteren Rand der weiblichen Brust. Wie der Name andeutet, zählt zu den Pilzinfektionen auch der Nagelpilz, der sich durch eine Verdickung und Verfärbung der betroffenen Nägel äussert. Die durch mikroskopisch kleine Pilze verursachten Infektionen der Haut und der sogenannten Hautanhangsgebilde (wie Nägel und Haare) werden medizinisch als Dermatomykosen bezeichnet. Der Fachbegriff setzt sich aus den griechischen Worten für Haut (Derma) und Pilz (Mykos) zusammen. Im Gegensatz zu Pilzinfektionen im Inneren des Körpers (systemische Mykosen) sind die lokal begrenzten, oberflächlichen Dermatomykosen vergleichsweise harmlos. Eine Behandlung ist allerdings schon wegen der unangenehmen Symptome sinnvoll. Ratsam ist eine Therapie überdies vor dem Hintergrund, dass sich Dermatomykosen ausgehend von der Stelle ihres ersten Auftretens (z.B. den Füssen oder der Leistengegend) langsam über den gesamten Körper ausbreiten können. Die gute Nachricht: Mykosen der Haut lassen sich in aller Regel erfolgreich behandeln.
Was sind eigentlich Hautpilze?
Dermatomykosen werden vor allem durch zwei Typen von Erregern verursacht: Zum einen sind dies verschiedene Arten von Fadenpilzen (medizinisch: Dermatophyten). Diese besiedeln die Haut oder Hautanhangsgebilde, manchmal auch beides. Diese krankheitserregenden Fadenpilze sind in der Lage, Keratin abzubauen. Da dieses Protein den Hauptbestandteil der obersten Hautschicht, sowie der Haare und Nägel darstellt, können sich hier die Dermatophyten ausbreiten und eine Infektion auslösen. Die relevantesten krankheitserregenden Dermatophyten lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Die sogenannten anthropophilen Fadenpilze haben sich an den Menschen angepasst und rufen meistens nur gering entzündliche, chronische Infektionen hervor. Demgegenüber sind zoophile Dermatophyten bei Säugetieren und Vögeln zu finden und können nach Übertragung auf den Menschen häufig stark entzündliche Infektionen verursachen.
Als zweite Erregergruppe – neben den Dermatophyten – kommen insbesondere Hefepilze (Sprosspilze) in Frage: Hierzu gehören Candida-Hefen, die neben Haut und Nägel auch Schleimhäute infizieren können. Als prominenter Erreger ist Candida albicans hervorzuheben. Auch bei gesunden Menschen finden sich Candida-Hefepilze im Magen-Darm-Trakt, den oberen Atemwegen und im weiblichen Genitalbereich. Zudem können diese auch die Haut rund um die Körperöffnungen – wie etwa den Mund – besiedeln. Von dort gelangen die Hefepilze auch an die Finger und überdies breiten sie sich häufig in Hautfalten aus. Im «Normalfall» sind die Sprosspilze harmlose «Mitbewohner». Bestimmte Faktoren, wie ein geschwächtes Immunsystem, feuchtes Milieu, antibiotische Behandlungen oder Verletzungen, können allerdings deren krankheitserregende Mechanismen auslösen. Schimmelpilze schliesslich zählen hingegen nicht zu den Haupterregern von Dermatomykosen: Sie sind allenfalls seltene Verursacher von Nagelpilz an den Zehen oder infizieren bereits von Dermatomykose betroffene Hautpartien respektive Nägel.
Um Verunsicherungen vorzubeugen: Die krankheitserregenden Hefepilze sind nicht zu verwechseln mit der harmlosen «Bäckerhefe» (Saccharomyces cerevisiae), die beim Backen und Bierbrauen Verwendung findet.
Häufige Arten und Symptome von Hautpilz-Erkrankungen
Medizinisch werden Infektionen der Haut durch Dermatophyten als Tinea bezeichnet. Ergänzt wird dieser Begriff um die Bezeichnung der infizierten Körperregion.
Fusspilz (Tinea pedis) ist die häufigste durch Dermatophyten verursachte Hautinfektion und weltweit verbreitet. Die jeweilig betroffene Hautstelle wirkt aufgequollen und faltig, sowie weisslich und glasig (Kennzeichen einer sogenannten „Mazeration“). Durch Ablösung von Hautschichten entstehen nässende Hautdefekte und Risse. In den meisten Fällen tritt Fusspilz in den Zwischenräumen der Zehen auf, kann von dort auch auf die Zehenunterseite übergehen. Weniger häufig ist die Fusssohle von Fusspilz betroffen. Bleibt eine Behandlung aus, kann sich die Infektion auch auf den Zehennägeln ausbreiten (Nagelpilz) sowie zur Ansteckung von Mitmenschen führen.
Nagelpilz (Tinea unguium oder Onychomykose) ist insbesondere unter Menschen in höherem Lebensalter verbreitet. So ist etwa jede/r zweite ab dem 65. Lebensjahr hiervon betroffen – allerdings können auch bereits Kinder mit einem Nagelpilz infiziert sein. Häufiger als an den Fingernägeln findet sich Nagelpilz an den Zehennägeln. Kennzeichen sind gelblich verfärbte Nägel, die zudem brüchig werden und sich verdicken können. Ohne Behandlung kann eine Ausbreitung auf andere Nägel erfolgen und – bei Befall der Zehennägel – steigt das Risiko für die Entstehung von Fusspilz.
Hautpilz am Körper (Tinea corporis, Ringelflechte) oder im Gesicht (Tinea faciei) äussert sich in Form kreisrunder, rötlicher und juckender Schädigungen der Haut mit Schuppungen im Randbereich. Im Weiteren können sich auf der betroffenen Haut kleine Pusteln bilden. Als Erreger kommen alle Dermatophyten in Frage.
Handpilz (Tinea manus) betrifft meist eine Hand, allerdings kann es auf die Dauer auch zur Ausbreitung auf die jeweils andere Hand kommen (Tinea manuum). Es werden zwei Hauptarten unterschieden: Entweder die Haut weist eine rötliche Schuppung und schmerzhafte Risse auf oder es bilden sich juckende Bläschen an der Handfläche und den Fingerseiten.
Pilzinfektion der Kopfhaut und anderer behaarter Körperregionen (Trichomykosen): Dermatophytose vor Allem von Kopfhaaren und/oder der Barthaare beim Mann. Die Infektion kann oberflächlich ausfallen, d.h. auf den jeweils äusseren Abschnitt der Haarwurzeln begrenzt sein. Alternativ kommt es zu einem Pilzbefall bis in den untersten Teil der Haarwurzeln. Bei oberflächlichem Befall kommt es zu einem reversiblen Haarausfall, während bei tiefreichendem Befall ein bleibender, vernarbender Haarverlust die Folge sein kann.
Beispiele für durch Hefepilze verursachte Erkrankungen der Haut oder Schleimhaut
Pilzinfektion der Scheide und Vulva (vulvovaginale Candidose): Entzündung der Vulva und/oder Vagina durch Candida-Hefepilze. Geschätzt drei von vier Frauen sind mindestens einmal im Leben hiervon betroffen. Kennzeichen sind weissliche, abwischbare Auflagerungen an der Scheidenwand, ein gelblich-weisser Ausfluss und eine Rötung der Vulva und der angrenzenden Leistengegend.
Candida-Intertrigo: Bevorzugt an bereits geröteten und wunden Stellen («Hautwolf») im Bereich von Hautfalten – einer sogenannten Intertrigo – kann sich der Hefepilz Candida albicans ansiedeln und Entzündungen verursachen. Letztere fördern wiederum die Vermehrung des Hefepilzes. Häufig hiervon betroffen sind die Achselhöhlen, Leistenbeugen, Bauchfalten, der untere Brustansatz bei der Frau und der Intimbereich.
Wie entsteht eine Infektion mit Hautpilzen?
Ein gesundes Immunsystem hilft normalerweise, Hautpilze abzuwehren. Auf die Fuss- oder Zehennägel hat das Immunsystem keinen Zugriff, wodurch die Anfälligkeit für entsprechende Erreger dort besonders hoch ausfällt. Pilzinfektionen der Haut entstehen erst dann, wenn sich krankheitserregende Pilze übermässig vermehren und die natürliche Schutzbarriere unserer Haut geschwächt ist. Dermatophyten nutzen Schädigungen der obersten Hautschicht (Hornschicht), wie beispielsweise kleine Verletzungen oder Risse, sowie Nagelschäden, um sich dort anzuheften. Mithilfe spezieller Enzyme* und durch Bildung mikroskopisch kleiner Fäden gelingt es den Dermatophyten, die keratinreiche oberste Hautschicht oder einen Nagel zu durchwachsen. Dabei baut der Fadenpilz das Keratin nach und nach ab. Ist die Haut betroffen, reagiert diese mit einer vermehrten Produktion von Hautzellen, was zu einer sichtbaren Schuppung an der Hautoberfläche führt – schliesslich muss der Überschuss an Hautzellen auch wieder abgegeben werden. Darüber hinaus kann die Besiedlung mit dem Krankheitserreger das körpereigene Immunsystem aktivieren, was zu entzündlichen Reaktionen führt.
Hefepilze hingegen sind nicht grundsätzlich krankheitserregend, können aber unter bestimmten (für den Menschen ungünstigen) Bedingungen Infektionen hervorrufen. So können Hefepilze beispielsweise bei einem geschwächten Immunsystem oder einer bereits bestehenden Haut- respektive Schleimhauterkrankung als Krankheitserreger aktiv werden. Die vormals kompakten Hefezellen bilden im Zuge dessen ebenfalls fadenförmige Strukturen, mit denen sie die oberste Hautschicht durchdringen. Dabei sondern auch die Hefezellen Enzyme ab, die bei der Ausbreitung helfen, sowie die Hautzellen und somit das Hautgewebe beschädigen. Dies führt wiederum zu einer Reaktion des Immunsystems, woraus eine Entzündung des betroffenen Hautareals resultiert. Ein solcher Hefepilz ist Candida albicans, der in den meisten Fällen für Pilzerkrankungen mit der Bezeichnung «Candidamykosen» verantwortlich ist.
* Enzyme könnte man allgemein als biologische «Nano-Werkzeuge» beschreiben. Auch der Mensch verfügt über eine Vielzahl dieser lebensnotwendigen, hochspezialisierten Proteine.
Risikofaktoren für eine Hautpilz-Infektion
durch Schwitzen verursacht und bedingt durch enge, luftundurchlässige Kleidung oder Schuhe
Bereits kleine Risse oder Verletzungen der Haut erleichtern den Krankheitserregern das Anheften am Körper und Eindringen in die oberste Hautschicht
Beispielsweise barfuss gehen über Böden, auf denen sich mit Pilzerregern infizierte Hautpartikel befinden; Kontakt mit kontaminierten Gegenständen (z.B. von Betroffenen benutzte Handtücher oder Kuscheltiere bei Kindern)
Ein geschwächtes Immunsystem und Diabetes mellitus
Von Mensch zu Mensch oder Mensch zu Tier (zoophile Erreger)
(zusätzlicher Risikofaktor für Candidose)
(zusätzlicher Risikofaktor für Candidose)
Betroffene sollten ihre Hausarztpraxis aufsuchen oder eine Hautärztin oder einen Hautarzt konsultieren, wenn…
– die Symptome einer Dermatomykose ein bis zwei Wochen lang anhalten, ohne dass sich eine Besserung einstellt.
– sich die Infektion immer weiter ausbreitet.
– die Infektion Schmerzen bereitet.
– die betroffenen Körperareale besonders empfindlich sind.
– deren Immunsystem geschwächt ist.
– oder eine Anfälligkeit für Pilzinfektionen bekannt ist.
Erst nach einer gründlichen Diagnose und nach Abwägung möglicher Nebenwirkungen geeigneter Therapien kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt die vielversprechendste Behandlung einleiten. Sind nur kleinere Hautareale von einer leichten Dermatomykose betroffen, reicht häufig eine lokale Therapie aus. Auf die entsprechende Hautregion wird eine Salbe oder Creme aufgetragen, die einen Wirkstoff gegen Pilze enthält. Die in Frage kommenden Wirkstoffe sind sogenannte Antimykotika, die Hautpilze abtöten oder zumindest deren Wachstum und Vermehrung hemmen. Zur Behandlung von Nagelpilz stehen unter anderem antimykotische Nagellacke zur Verfügung. Hat sich eine Dermatomykose bereits weit ausgebreitet, sowie bei einer Mykose der Leistenhaut kann eine systemische Behandlung mit Antimykotika erforderlich sein, also die orale Einnahme von Kapseln oder Tabletten. Die eingenommenen Wirkstoffe entfalten dann ihre Wirkung vom Körperinneren aus. Eine solche Behandlung ist ausserdem bei chronischen und stark entzündlichen Verläufen oder bei Kopfhautpilz angezeigt, sowie in solchen Fällen, in denen eine lokale Therapie keine ausreichende Wirkung zeigt.
– Feuchtigkeit vermeiden: Verschwitzte oder anderweitig feuchte Kleidung möglichst bald wechseln. Auch nach dem Duschen oder Baden auf gründliches Abtrocknen achten, insbesondere die Zehenzwischenräume und Hautfalten dabei nicht vergessen.
– Um Fussschweiss und damit Fusspilz vorzubeugen sollten, wenn möglich, atmungsaktive Schuhe bevorzugt werden.
– Handtücher regelmässig wechseln – bei bestehender Mykose täglich.
– Kleidung regelmässig waschen, Socken oder Strümpfe und die Unterwäsche täglich wechseln (sofern möglich bei mindestens 60°C waschen). Gegebenenfalls auf Unterwäsche ausweichen, die Waschgänge mit hohen Temperaturen schadlos übersteht.
– Öffentliche Schwimmbäder oder Saunen, aber auch Teppiche im Hotelzimmer sollten nicht barfuss betreten werden – das Ansteckungsrisiko ist an diesen Orten erhöht.
– Während bis kurz nach einer Fusspilzbehandlung sollte die Fussbekleidung (Socken, Schuhe etc.) mit einem Antimykotikum desinfiziert werden.
– Wenn Haustiere von Pilzen befallen sind, empfiehlt es sich, sie entsprechend zu behandeln, um eine Übertragung zu vermeiden – hier kann die Tierarztpraxis weiterhelfen.
CH–07-25-2500001