Was ist eine „Neurodermitis“?
Neurodermitis ist eine vergleichsweise häufige Hauterkrankung und betrifft rund 50 Millionen Menschen in Europa. Neben dem Begriff „Neurodermitis“ sind gleichbedeutend die Bezeichnungen atopische Dermatitis und atopisches Ekzem verbreitet. Sichtbare Kennzeichen dieser nicht-ansteckenden Erkrankung sind unter anderem gerötete Hautflecken und verdickte Hautareale, die durch eine Vergröberung der Oberfläche lederartig wirken. Zusätzlich belastend ist der oft mit den Hautveränderungen einhergehende starke Juckreiz. Bei Neurodermitis handelt es sich um eine dauerhafte (chronische) Erkrankung, deren Symptome nicht in gleichbleibender Intensität bestehen bleiben. Vielmehr kommt es zu Krankheitsschüben mit stärker ausgeprägten Beschwerden, die wiederum von Phasen mit schwächeren Symptomen abgelöst werden. Bei etwas mehr als der Hälfte der Betroffenen äussert sich die Hauterkrankung schon im ersten Lebensjahr. In einigen dieser Fälle kommt es bis zur Pubertät zu einer Besserung oder die Neurodermitis heilt von selbst ab (Spontanheilung): Etwa 60 % der erkrankten Kinder sind im frühen Erwachsenenalter dann symptomfrei. Prinzipiell kann die Hautkrankheit in jedem Alter auftreten und derzeit ist eine medizinische Heilung nicht möglich. Allerdings stehen vielfältige Behandlungsoptionen zur Verfügung, um eine Linderung der Symptome zu erzielen und die Erkrankung unter Kontrolle zu bringen.
Was passiert bei einer Neurodermitis?
Wie sich diese Hautkrankheit entwickelt, ist noch nicht komplett erforscht. Als nachgewiesen gilt, dass eine gewisse Anfälligkeit für Neurodermitis biologisch vererbt wird, also bei Betroffenen eine sogenannte „genetische Prädisposition“ vorliegt. Diese genetisch bedingte Anfälligkeit kann auf unterschiedlichen Ebenen des Krankheitsgeschehens zum Tragen kommen, zum Beispiel in Form einer beeinträchtigten Struktur und Funktion der oberen Hautschicht. So ist ein wesentliches Kennzeichen der atopischen Dermatitis eine gestörte Barrierefunktion der Haut, die sich als Hauttrockenheit bemerkbar macht. Im Vergleich zur gesunden Haut ist die äussere Hautschicht in Fällen von Neurodermitis durchlässiger und ausserdem weniger durchfeuchtet. Einer der Gründe hierfür ist die veränderte Zusammensetzung der Lipide in der äusseren Hautschicht. Lipide sind spezielle Fette oder fettähnliche Substanzen und bilden in der gesunden Haut eine Art Dichtsubstanz. Diese füllt die Lücken zwischen den äusseren Hautzellen – den Hornzellen – aus und trägt somit zur Hautbarrierefunktion bei. Im Zuge der Erkrankung wird diese „Abdichtung“ aus Hautlipiden jedoch durchlässiger, sowohl für das Eindringen externer Reiz- und Schadstoffe in die Haut als auch für das Verlieren von Wasser aus der Haut.
Auch Veränderungen des Hautmikrobioms können die Entzündung beeinflussen und Krankheitsschübe begünstigen. Die natürlicherweise auf der Hautoberfläche befindlichen, als Hautflora bezeichneten Mikroorganismen (v. a. „gutartige“ Bakterien und Pilze) sind in der Lage, das Wachstum schädlicher Bakterien und Pilze zu hemmen und damit ebenfalls zum Schutz der Haut beizutragen. Bei einer Neurodermitis ist hingegen das Risiko für häufigere und schwerere Hautinfektionen (durch krankheitserregende Bakterien, Viren oder Pilze) erhöht.
Das körpereigene Immunsystem spielt eine zentrale Rolle bei der Krankheitsentstehung. Die Störung der Hautbarrierefunktion sowie die Ansiedlung krankheitserregender Mikroorganismen rufen Entzündungsreaktionen in der Haut hervor, die zur Entstehung der atopischen Dermatitis beitragen. Weiter erleichtert die geschwächte Barrierefunktion der Haut das Eindringen von Allergenen* und anderer Substanzen, die zu Reizungen führen (Irritantien). Hierdurch kann ebenfalls eine überschiessende Immunantwort ausgelöst werden. Diese entzündlichen Prozesse bei Neurodermitis sind äusserlich als Hautveränderungen sichtbar, beispielsweise in Form geröteter Flecken. Im Zuge der krankheitsbedingten Vorgänge werden in den betroffenen Hautarealen ausserdem körpereigene Botenstoffe freigesetzt, die einen starken Juckreiz auslösen. Durch Kratzen der entsprechenden Stellen wird das Hautgewebe zusätzlich verletzt, bis hin zu oberflächlichen Blutungen. Mit der Zeit kann dies zu einer flächigen Hautverdickung mit gröberer Hautzeichnung – einer sogenannten Lichenifikation – führen.
*Allergene sind Substanzen, die vom Immunsystem als „fremd“ erkannt werden und auf die es „überempfindlich“ reagiert: In der Folge lösen die – meistens eigentlich harmlosen – Allergene eine unverhältnismässige Immunreaktion aus.
Die geläufige Bezeichnung Neurodermitis setzt sich aus drei Wortteilen zusammen, die aus dem Griechischen stammen: „Neuro“ deutet auf einen Zusammenhang mit Nerven hin, „derma“ bedeutet Haut und die Endung „-itis“ kennzeichnet in der Medizin eine entzündliche Erkrankung (z. B. Bronchitis, Arthritis). Im 19. Jahrhundert nahmen Mediziner an, dass die Hautkrankheit auf eine Entzündung der Nerven zurückzuführen sei, was zum Terminus „Neurodermitis“ führte. Ein Irrtum, wie man heute weiss. Aber das „Neuro-“ ist nach wie vor Bestandteil der populären Bezeichnung für die atopische Dermatitis.
Woran erkennt man eine Neurodermitis?
Der alternative Name, atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis, deutet auf die Kennzeichen der Hautkrankheit hin: Diese äussert sich typischerweise – aber nicht ausschliesslich – in Form von roten, schuppenden, manchmal auch nässenden, entzündlichen Hautschädigungen, die meist mit einem starken Juckreiz verbunden sind. Der Juckreiz tritt häufig nachts auf oder fällt nachts verstärkt aus, wodurch die Schlafqualität beeinträchtigt wird. Charakteristische, sichtbare Ausprägungen der Hauterkrankungen können wie folgt ausfallen:
- verdickte gerötete Hautstellen
- aufgekratzte gerötete Hautstellen
- flächige, ledrig-grobe Hautareale
- Hautknötchen oder Hautknoten
- runder Hautausschlag (bei Kindern)
- allgemeine Hauttrockenheit
Die Verteilung der Hautschädigungen fällt je nach Lebensphase unterschiedlich aus: Bei Säuglingen und Kleinkindern sind von den – zum Teil nässenden – Ekzemen insbesondere Gesicht, behaarte Kopfhaut und die Streckseiten der Extremitäten betroffen: Rückseite der Arme und Vorderseite der Beine. Bei Jugendlichen und Erwachsenen treten die eher trockenen Hautveränderungen häufig an Stirn, Lidern, Hals, Ellenbeugen und Kniekehlen, sowie Hand- und Fussrücken auf.
Die medizinische Untersuchung hinsichtlich einer Neurodermitis erfolgt in der Regel durch eine Hautärztin (Dermatologin) oder einen Hautarzt (Dermatologe) bzw. bei Kindern auch oft durch eine Pädiaterin (Kinderärztin) oder einen Pädiater (Kinderarzt). Die fachärztliche Begutachtung ermöglicht bei einem Verdacht auf Neurodermitis die Klärung, ob diese Erkrankung tatsächlich vorliegt oder beispielsweise eine andere entzündliche Hauterkrankung oder sonstige Form von Ekzem.
Neurodermitis kann mit Begleiterkrankungen verbunden sein
- Verbunden mit der atopischen Dermatitis entwickeln bis zu 30 % der erkrankten Säuglinge und Kleinkinder Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel. Allergieauslösend sind häufig Kuhmilch, Hühnerei, Erdnüsse, Soja oder Nüsse. Unter älteren Kindern und Erwachsenen sind die genannten Unverträglichkeiten weniger stark verbreitet. Allerdings neigen Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis häufig zu Heuschnupfen (medizinisch: allergische Rhinokonjunktivitis) und allergisch bedingtem Asthma.
- Die atopische Dermatitis kann die psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. So ist bei betroffenen Kindern und Jugendlichen das Risiko für eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhöht. Erklärt wird dies mit den durch den Juckreiz bedingten Schlafstörungen. Schwere Krankheitsverläufe bringen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Depressionen und Angstzuständen mit sich.
- Neurodermitis ist mit einem überdurchschnittlich häufigen Auftreten von Hautinfektionen mit Bakterien, Viren oder kleinen Pilzen verbunden. Mediziner sprechen von einer Superinfektion Eine Superinfektion bedeutet zunächst eine zusätzliche Infektion bereits bestehender Ekzemläsionen. Beispielsweise kann sich das Bakterium Staphylococcus aureus auf der Körperoberfläche verbreiten und eine Infektion auf der Haut auslösen. Die Infektion mit Herpesviren kann zur Bildung eines Hautausschlags in Form von Knötchen mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen führen. Der Ausschlag breitet sich in der Regel über Gesicht, Hals und Rumpf aus, kann jedoch auch weitere Körperregionen betreffen. Verbunden ist diese Hautinfektion mit einem Krankheitsgefühl und Fieber. Ein solches „Eczema herpeticatum“ bedarf einer sofortigen ärztlichen Abklärung.
- Je nach genetischer Prädisposition kann neben der Neurodermitis eine sogenannte „Ichthyosis vulgaris“ als weitere Hautkrankheit auftreten. Aufgrund einer Störung der Hautreifung (genauer: einer Verhornungsstörung) entstehen insbesondere an Armen, Beinen und am Rumpf grossflächige, weissliche Schuppungen der Haut. Zudem kann die Linienzeichnung der Handflächen vertieft sein, sodass der Eindruck frühzeitig gealterter Hände entsteht.
Was kann einen Krankheitsschub auslösen oder zu einer Verschlechterung der Symptome führen?
Krankheitsschübe der Neurodermitis können durch bestimmte Substanzen, Umwelteinflüsse oder Reize, sogenannte Triggerfaktoren bzw. Provokationsfaktoren, ausgelöst werden. Allerdings reagieren nicht alle Betroffene in gleichem Masse auf dieselben Triggerfaktoren, sondern individuell sehr unterschiedlich. Es empfiehlt sich für Patientinnen und Patienten daher, die jeweils „eigenen“ auslösenden Faktoren in der dermatologischen Praxis identifizieren zu lassen und diese – soweit möglich – zu vermeiden. Nachfolgend sind verbreitete Triggerfaktoren dargestellt:
- Das Auftreten einer Nahrungsmittelallergie kann einen Schub auslösen. Bei Kindern können vor allem Allergene in Kuhmilch, Eiern, Soja, Weizen, Haselnüssen, Erdnüssen und Fisch in Frage kommen.
- Hitze und übermässiges Schwitzen sind Hauptfaktoren für eine Verschlimmerung des Juckreizes bei Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis. Nichtsdestotrotz sind sportliche Aktivitäten auch für Betroffene insgesamt von Vorteil.
- Pollen: Das Einatmen bestimmter Pflanzenpollen oder der Hautkontakt damit kann bei sensibilisierten** Betroffenen zu einer Verschlimmerung der Neurodermitis-Symptome führen.
- Klimatische Faktoren wie extreme Kälte und/oder Trockenheit, sowie hohe Luftfeuchtigkeit gelten als mögliche Triggerfaktoren.
- Von Hausstaubmilben stammende Allergene können bei sensibilisierten Betroffenen einen Krankheitsschub auslösen.
- Raue Stoffe mit groben Fasern, wie zum Beispiel Wolle, können bei Betroffenen ein Kribbeln, Juckreiz oder Hautreizungen auslösen.
- Tierhaare, insbesondere Katzenhaare, können für sensibilisierte Personen mit Neurodermitis einen Risikofaktor für die Entstehung
- Eine psychische Belastung kann sowohl Folge als auch Ursache einer Verschlechterung der Neurodermitis sein.
- Bei Frauen können hormonelle Faktoren – wie beispielsweise aufgrund einer Schwangerschaft oder der Menstruation – Krankheitsschübe auslösen.
** Die erste Phase bei der Entwicklung einer Allergie wird als Sensibilisierung bezeichnet: Diese verläuft ohne Symptome oder Beschwerden. Das körpereigene Immunsystem „merkt sich“ die Substanz – wie etwa bestimmte Pflanzenpollen etc. – und ordnet diese als Fremdstoff ein. Die betroffene Person ist jetzt für dieses eigentlich harmlose Allergen „sensibilisiert“. Bei erneutem Kontakt mit derselben Substanz reagiert das Immunsystem mit einer allergischen Reaktion, um den Fremdstoff zu bekämpfen.
Wie wird Neurodermitis behandelt?
Nach Diagnose einer atopischen Dermatitis erfolgt die Erstellung eines individuellen Behandlungskonzepts und Therapieplans durch die Dermatologin oder den Dermatologen bzw. die Pädiaterin oder den Pädiater. Ziele der Behandlung sind die Linderung der Beschwerden und die Erkrankung weitestmöglich unter Kontrolle zu halten – das heisst, die Neurodermitis im Alltag gut beherrschbar zu machen, die Lebensqualität zu verbessern und Anzeichen einer Verschlechterung rasch zu erkennen, um geeignete Gegenmassnahmen einzuleiten. Eine Heilung der Neurodermitis, beispielsweise mithilfe von Medikamenten oder gar „alternativmedizinischen“ Methoden, ist aktuell leider nicht möglich. Die wichtigsten Behandlungsansätze sind die weitestmögliche Vermeidung von Triggerfaktoren (siehe oben), die Verbesserung der Hautbarrierefunktion und die Eindämmung entzündlicher Immunreaktionen in der Haut.
Die Basistherapie
Die gestörte Barrierefunktion der Haut stellt ein wesentliches Merkmal der Neurodermitis dar. Ziel der Basistherapie ist daher zum einen die Wiederherstellung dieser Funktion, indem sowohl der oberen Hautschicht Lipide (siehe oben) zugeführt werden als auch dem Wasserverlust aus der Haut entgegengewirkt wird, und zum anderen die Zufuhr von Feuchtigkeit. Zentraler Baustein jeder Behandlung der atopischen Dermatitis ist daher das Auftragen von Emollienzien auf die Haut. Emollienzien sind Mittel (wie Cremes oder Lotionen), die die Struktur der Haut wieder aufbauen, die Haut wieder elastisch machen und sie schützen. Diese Präparate enthalten unter anderem Feuchthaltestoffe und Inhaltsstoffe, die die Haut rehydratisieren und wieder nähren, aber auch einen Schutzfilm auf der Hautoberfläche bilden, der dem Wasserverlust aus der Haut und dem Eindringen von äusserlichen Schad- und Reizstoffen in die Haut entgegenwirken. Durch Anwendung von Emollienzien wird die Hauttrockenheit verringert und damit auch dem Juckreiz entgegengewirkt. Zudem wird hierdurch die Hautregeneration begünstigt. Dermatologen empfehlen eine bedarfsgerechte und regelmässige Anwendung – nicht nur zur Linderung der Symptome, teilweise sogar des Juckreizes, sondern auch um die Remissionsphasen (die Ruhephasen) zwischen den Krankheitsschüben zu verlängern. Daher sollten Emollienzien auch in schubfreien Phasen auf die Haut aufgetragen werden. Die Anwendung entsprechender Produkte geht über eine reine „Hautpflege“ hinaus; sie entspricht vielmehr einer therapeutischen Massnahme. Welche der zahlreich erhältlichen Pflegeprodukte – insbesondere hinsichtlich deren Inhaltsstoffe – für die Basistherapie in Frage kommen, kann mit der Dermatologin / dem Dermatologen besprochen oder in der Apotheke geklärt werden.
Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis sollten unmittelbar nach dem Duschen oder Baden und dem anschliessenden Trockentupfen der Haut geeignete Emollienzien auftragen, solange die Haut noch etwas feucht ist. Eltern sollten nach dem Baden ihrer betroffenen Säuglinge oder Kleinkinder entsprechend vorgehen.
Entzündungshemmende Behandlung
Neben der Basistherapie nimmt das Eindämmen der entzündlichen Prozesse in der Haut einen hohen Stellenwert bei der Behandlung der Neurodermitis ein: Bei einem akuten Krankheitsschub kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die entzündungshemmend – synonym: antientzündlich oder antiinflammatorisch – wirken. Entzündungshemmende Präparate zur lokalen Anwendung werden regelmässig auf die sichtbaren Hautveränderungen aufgetragen, bis diese abgeklungen sind. Ausserdem kann je nach Situation und auf Empfehlung der Dermatologin oder des Dermatologen ein entsprechendes Medikament zeitweise „vorsorglich“ auf solche Hautareale aufgetragen werden, die bereits von Neurodermitis betroffen waren. Dies gilt für Stellen, an denen ein wiederholtes Auftreten des atopischen Ekzems wahrscheinlich ist. Abhängig vom Schweregrad der Erkrankung und/oder von den bisherigen Behandlungsergebnissen kann die Anwendung eines entzündungshemmenden Präparates mit systemischer*** Wirkung notwendig sein. Systemische Glukokortikoide werden aufgrund des später kippenden Nutzen-Risiko-Verhältnisses grundsätzlich nur ausnahmsweise und kurzfristig eingesetzt. Eine solche Medikation ist nur zur Beendigung eines akuten Krankheitsschubs vorgesehen. Moderne systemische Therapien wie Biologika und JAK-Inhibitoren (Dupilumab, Tralokinumab, Lebrikizumab, Nemolizumab sowie Abrocitinib, Baricitinib und Upadacitinib) sind hingegen für eine längerfristige Krankheitskontrolle vorgesehen. Ob eine antientzündliche Behandlung erforderlich ist und welche Therapieoptionen gegebenenfalls infrage kommen, klärt sich im Rahmen des Arztgesprächs in der dermatologischen Praxis.
*** „systemisch“ bedeutet: Das Medikament verteilt sich im Organismus und entfaltet seine Wirkung von innen heraus. Die Präparate werden entweder als Kapseln/Tabletten o.ä. über den Mund (oral) aufgenommen oder – wie vor allem die unten genannten Biologika – per Fertigspritze oder Pen injiziert.
Neue Medikamente ermöglichen weitere Therapieoptionen
In der jüngeren Vergangenheit konnte das Spektrum an Therapiemöglichkeiten bei Neurodermitis um neuartige, systemisch wirkende Medikamente erweitert werden. Dazu zählen unter anderem komplexe, biotechnologisch hergestellte Medikamente zur Langzeittherapie, die als „Biologika“ bezeichnet werden, ebenso wie die sogenannten „JAK-Inhibitoren“. Die innovativen Präparate greifen zielgerichtet in die Anbahnung entzündlicher Reaktionen des Immunsystems ein und wirken somit ebenfalls entzündungshemmend. Auch bezüglich dieser Präparate hängt eine Verordnung durch die Dermatologin bzw. den Dermatologen von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise vom Schweregrad der Neurodermitis oder dem gleichzeitigen Vorliegen weiterer Erkrankungen.
Tipps für den Alltag mit Neurodermitis
Die nachfolgende Auflistung ist nicht komplett – dies liegt auch daran, dass jeder Fall von Neurodermitis individuell unterschiedlich gelagert sein kann. Betroffene können sich in der dermatologischen Praxis hinsichtlich weiterer Massnahmen beraten lassen.
- Duschen oder Baden sollte möglichst kurz und mit mässig warmem Wasser durchgeführt werden. Gleich nach dem Trockentupfen der Haut empfiehlt sich das Auftragen eines geeigneten Emolliens (s.o.: Basistherapie).
- Auf Kleidung aus hautreizenden Stoffen (raue Textilien mit groben Fasern), wie beispielsweise aus Wolle, besser verzichten.
- Bei der Verwendung von Pflegeprodukten bitte darauf achten, dass diese keine hautreizenden Substanzen oder Allergene enthalten. Stark entfettende, parfümierte oder alkalische Reinigungsprodukte können die Haut zusätzlich reizen. Empfehlenswert sind milde, möglichst parfumfreie Reinigungsprodukte mit hautfreundlichem pH-Wert.
- Die Vermeidung von Tabakrauch hilft bei der Vorbeugung neuer Krankheitsschübe.
- Wenn möglich, ist der Kontakt zu Allergenen in der Luft zu vermeiden, sofern diese bereits in der Vergangenheit unangenehme Hautreaktionen ausgelöst haben. Um etwa die Belastung durch allergen wirkende Pollen zu reduzieren, sollten (während der entsprechenden Blütezeit) die Wohnräume bevorzugt bei Regen, nachts oder am frühen Morgen gelüftet werden. Bei Benutzung einer Klimaanlage ist die Verwendung spezieller Pollenfilter empfohlen.
- Da langanhaltender und intensiver Stress als Auslöser für Juckreiz und Krankheitsschübe gilt, kann für entsprechend Betroffene das Aneignen von Strategien zur Stressbewältigung hilfreich sein.
- Hausstaubmilben können bei sensibilisierten Personen mit Neurodermitis einen Krankheitsschub auslösen. Zur Vorbeugung bietet sich die Benutzung spezieller Bettwäsche, sogenannter „Encasings“, an.
- Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung eine psychische Belastung empfinden, wird geraten, eine psychosoziale Beratung in Anspruch zu nehmen. Gegebenenfalls kann eine Psychotherapie weiterhelfen. Dies gilt auch für Betroffene, bei denen psychische Faktoren einen Krankheitsschub auslösen können.
Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis oder Eltern betroffener Kinder sind nicht auf sich allein gestellt und sollten Hilfsangebote annehmen. So bietet das „aha! Allergiezentrum Schweiz“ Beratungen und vielfältige Schulungen rund um Neurodermitis, sowie zu weiteren (Haut-) Erkrankungen und Gesundheitsbeschwerden, wie etwa Allergien, Asthma oder Unverträglichkeiten: https://www.aha.ch/allergiezentrum-schweiz/home
CH–07-26-2600001